Montag, 30. Mai 2011

Funkgeräte des unteren Preissegments

Viele von uns, und natürlich erst recht Newcomer, stellen sich am Anfang die Frage, was kostet mich das Hobby "Amateurfunk" überhaupt, kann ich mir das in der heutigen Zeit überhaupt noch leisten?
Diese Frage ist durchaus auch berechtigt und wurde schon des öfteren recht kontrovers diskuttiert.
Darauf gibt es nämlich erstmal nur eine ganz einfache Gegenfrage als Einleitung, nämlich, was für Ansprüche stellt ein jeder an sein Equipment, möchte er unbedingt das Neuste haben, möchte er gleich sofort in die Vollen gehen?
Ich denke, daß fast jeder ein wenig realistisch denken kann und weiß, daß die neuste Technik selbstverständlich die Haushaltskasse recht stark belasten kann und wird.
Hier sollte man schon mal darüber nachdenken, ob es nicht vielleicht auch am Anfang etwas gutes Gebrauchtes sein kann?
Ich persönlich greife sogar noch nach über 20 Jahren auf gebrauchtes Equipment zurück und wurde bisher kaum enttäuscht.
Das hat auch viel Erfahrungen eingebracht, weil man dadurch des öfteren mal etwas anderes kauft und ausprobiert und somit seinen technischen Horizont erweitert.

Aber es muß auch nicht immer gleich das Beste sein, wenn auch preiswertere Geräte einiges zu bieten haben, was im Grunde erstmal völlig ausreicht, um am Hobby erfolgreich teilnehmen zu können.
Womit wir schon beim Thema wären, ich wollte mal die Geräte unter der 1.000,- E - Grenze etwas beleuchten und deren Vorzüge herausarbeiten.
Eines ist klar, wir spielen mit diesen Geräten nicht in der Liga eines Yaesu FT-2000 oder höher, können einem Kenwood TS-2000 nicht das Wasser reichen, oder gar den großen Icoms ins Gehege kommen, aber wir führen auch unsere QSOs damit einwandfrei und werden auch gehört!
Das ist schließlich auch der Sinn des Ganzen, denn man sollte dabei immer seine eigenen finanziellen Grenzen im Auge behalten und das Preis-Nutzungsverhältnis genauer betrachten.
Desweiteren kommt es ja darauf an, was wollen wir überhaupt machen?
Stationären Betrieb - portablen Betrieb - mobilen Betrieb - maritim ?
Ist diese Frage geklärt, können wir uns überlegen, was wir im Minimum von einem solchen Gerät erwarten und ob wir nur mit UKW zufrieden sind, weil wir einfach nur reden und kommunizieren möchten, oder ob es die Jagd nach entfernten Stationen ist, die uns fasziniert.
Wollen wir nur Telefonie machen, oder auch Telegrafie, vielleicht sogar noch digitale Betriebsarten u.s.w. - Fragen über Fragen, die zuerst geklärt sein müssen, danach richtet sich nämlich der Aufwand und somit unsere finanzielle Belastung.

Ich möchte mal auf den Teil eingehen, wo man sich für UKW und KW entscheidet, hauptsächlich erstmal Telefonie und Telegrafie macht und kein riesen Koffer auf dem Tisch zu stehen haben möchte.
Dabei reden wir von Neugeräten mit Garantie, die unter 1.000,- Euro kosten sollen.
Hier haben wir ein paar Vertreter dieser Kategorie:
Als erstes das Yaesu FT-817 - ein kleines und sehr unscheinbares Gerät, welches derzeit mit rund 500,- Euro gehandelt wird.


Dieses Gerät hat einen sehr guten Empfänger, ist über einige Menüs zu konfigurieren, hat eigentlich die wichtigsten Funktionen an Bord, um einen reibungslosen Telefonie- und Telegrafieverkehr zu ermöglichen und wird hauptsächlich für portable Zwecke hergenommen.
Es hat sowohl UKW- als auch KW, macht aber nur 5 Watt und ist unabhängig von einer externen Stromversorgung und Antenne, diese kann direkt aufgeschraubt werden.
Freunde der kleinen Leistung (QRP) sind von diesem Gerät begeistert und erzielen damit immer wieder erstaunliche Erfolge.
Man kann es überall mithinnehmen und ist sofort qrv, aber zum größeren "Bären" wird es erst mit einer externen Endstufe, die nochmal mit gut 300,- Euro zu Buche schlägt, wenn man damit in der Mitte der Leistungsgrenze mitspielen möchte.
Für unterwegs aber ein klarer Sieger und technisch dafür vollkommen ok.

Dann haben wir als nächstes ein Gerät eines typischen UKW-Funkgeräteherstellers, der aber mit seinem KW-Gerät zeigt, daß er es auch schon kann (erwähnt hier im Blog), wir reden vom Alinco DX-SR8E, den wir für gut 580,- Euro neu kaufen können und der soweit alles mitbringt, was ein KW-Gerät braucht.
Auch mit ihm können wir schöne und weite QSOs führen, der Empfänger ist ordentlich, die Sendeübertragung ebenso und er eignet sich auch für unterwegs, wobei er schon 100 Watt PEP mitbringt.
Allerdings bedeutet dieses schon eine externe Stromversorgung, dafür kann das Gerät universell eingesetzt werden und ist mit der Leistung und dem relativ kleinem Gewicht eine echte Alternative für den Haus- und Urlaubsgebrauch.
Aber auch in portabler Umgebung durchaus zu handhaben bei gerade mal 1 kg, der minimal benötigte Akku wiegt ebenso viel.


Wer ein größeres KFZ hat, kann das Gerät auch im Auto benutzen, es hat ein abnehmbares Bedienteil, so daß die Basis woanders sitzen kann (logischerweise in der Nähe der Antenne).
Ein Nachteil gibt es dabei, daß Gerät macht nur 160 - 6 m, also kein UKW !
Das kommt extra dazu, hier gilt die von mir eingangs schon erwähnte Fragenbeantwortung gleichermassen.

Der nächste Kandidat wäre ein Yaesu FT-857d, er ist fast baugleich mit dem FT-817, hat im Unterschied dazu noch DSP und die 100 Watt-Endstufe integriert.
Ihn setzt man zunehmend mobil und portabel ein, da er auch eine externe Stromversorgung benötigt, aber eben sehr kompakt, recht klein und handlich ist.
Für ihn gibt es einiges an Zubehör, was diesen Transceiver zu einem Großen machen kann.


Sein Preis liegt bei rund 700,- Euro derzeit, war auch schon mal preiswerter, aber die Nachfrage u.a. regelt auch dieses bekanntlich.
Der FT-857d wird hauptsächlich menügesteuert, ist ein echter Allbander und geht von 160 m bis 70 cm in allen Modulationsarten.
Viele Funkamateure sagen, daß bei dieser ganzen Serie (FT-817 und FT-857) das Großsignalverhalten zu wünschen übrig läßt (starke Signale an großen Antennen übersteuern den Empfänger), aber zumeist wird dieses Gerät ja an Kompromiß- mobilen - und portablen Antennen betrieben, so daß diese Gefahr erst gar nicht besteht, dafür hört man dann aber auch das Gras wachsen!
Ich selbst hatte und habe ein solches Gerät noch im Einsatz, es läßt für die Zwecke, für welche es gebaut wurde, ansich keine Wünsche offen.

In der selben Preislage findet man inzwischen auch sogenannte SDR-Radios wie z.B. das Flex-Radio, Funkgeräte, die komplett (bis auf den Sender) aus Software für den Computer bestehen und eine recht umfangreiche,graphische Oberfläche bieten, die es wirklich in sich hat.
Diese Art des Funkgerätes nutzt natürlich die Performance des Rechners, welcher schon nicht der Schlechteste dafür sein sollte.
Man regelt dabei alles am Bildschirm, digitale Filtertechnik und die gesamte Steuerung laufen softwareseitig ab, der Sender befindet sich in einem zusätzlichen Gehäuse, welches mit dem Rechner verbunden ist.
In der genannten Preislage um 700,- Euro erhält man allerdings nur 5 Watt-Versionen, an die dann zum Nachdruck noch eine externe Endstufe angefügt werden müßte, um 100 Watt zu erreichen.



Diese Maßnahme erhöht natürlich den Gesamtpreis wiederum auf gute 1.000,- Euro, wobei fairerweise gesagt werden muß, daß diese Technik nicht gerade schlecht ist.
Die gebotenen Möglichkeiten sind immens, die angebotenen Features sind sehr reichhaltig und würden in einer hardwaretechnischen Bauweise sicherlich das Doppelte kosten.
Es gibt natürlich noch teurere Modelle, wo dann von Anfang an die 100 Watt zur Verfügung stehen.

Inzwischen sind wir jetzt bei dem Yaesu FT-897 angekommen, welches auch aus der gleichen Familie wie der FT-817 und FT-857 stammt.
Er bietet ein größeres Display und vor allem als Zubehör erhältliche,einzubauende Akkupacks, was das Gerät völlig unabhängig von einer externen Stromversorgung macht.
Das Funkgerät kann 100 Watt, hat alle Bänder bis 70 cm inclusive und ist damit ebenso ein echter Allbander.
Mit den eingebauten Akkus wird die Leistung automatisch auf 20 Watt begrenzt, womit das Gerät pro Akku (zwei gehen rein) allerdings 3 Stunden betrieben werden kann.
Es liegt in der Preislage bei ungefähr 750 - 800,- Euro zzgl. der Akkus, die es schon für 70,- E das Stück gibt.
Ansonsten wird der FT-897 ganz normal über eine externe Spannungsversorgung betrieben und bringt die volle Leistung bei annähernd 20 Ampere unter den 12 Volt.


Ansonsten nehmen sich der FT-857 und der FT-897 gar nichts, man kann für beide fast die gleiche Beschreibung hernehmen.
Allerdings weiß ich aus Erfahrung, daß beim Einbau ins Fahrzeug der kompaktere FT-857 die bessere Wahl wäre, weil der FT-897 schon recht stattliche Ausmaße hat und genauso kein Leichtgewicht ist.
Dafür, daß er portabel eingesetzt werden soll, bringt er schon ein recht bemerkenswertes Gewicht an den Tag, was sich durch die Akkus noch erhöht.
Alles in allem schon ein recht gutes Gerät, aber da ist so langsam die Grenze zwischen stationärem und portablen Gerät erreicht.

Ein sehr beliebter und auch technisch hoch entwickelter Kandidat ist der bekannte Elecraft K2, dessen Robustheit und vor allem Qualität bei vielen Funkamateuren geschätzt wird.
Nachteil dieses Gerätes, man muß vieles optional hinzukaufen und gerät ganz schnell über die 1.000,- Euro - Grenze hinweg.
Das Gerät geht von 160 - 6 m komplett, kann aber auch kein UKW bieten, das kommt also noch dazu.
Seine Filtertechnik und der wirklich sehr gute Empfänger machen ihn zu einem begehrenswerten Transceiver, der unter der von mir angeführten Preisklasse sicherlich der Beste von allen ist.


Dieser Transceiver ist ein amerikanisches Produkt, mit viel Sorgfalt und Aufwand gebaut, was natürlich seinen Preis hat und derzeit nur durch den für uns guten Dollarkurs unter diese Rubrik fällt.
Das Gerät läßt sich relativ einfach händeln, die wichtigsten Funktionen sind sofort zugriffsbereit und der Klang des Empfängers ist ein Genuß.
Ein solches Funkgerät wird daher fast ausschließlich für den stationären Betrieb hergenommen und sollte gut gepflegt werden.
Um aber in den vollen Genuß der Möglichkeiten zu gelangen, muß man schon einiges mehr investieren, so daß man gar nicht weiter in unserer Preisklasse auf den TRX eingehen muß.

Nun kommen wir zum Yaesu FT-450 (FT-450AT), welches im Grunde auch noch zu der Familie der 8er-Serie gehört, jedoch schon einige Verbesserungen vorweisen kann, was ihn in die Preisklasse um 750,- Euro neben dem FT-897 bringt.
Den FT-450 gibt es in zwei Versionen, einmal ohne und einmal mit eingebautem Antennentuner, auch das DSP funktioniert nun NF-seitig auf der ZF (Zwischefrequenz), was einen erheblichen Vorteil gegenüber der 8er-Serie darstellt.
Das Gerät ist äußerst kompakt, wiegt auch nur etwas über 1 kg und hat die meisten Funktionen in Griffnähe an der Front.
Es handelt sich um einen ausgewachsenen 100 Watt-TRX, der zudem noch eine Spracheinheit an Bord hat, was für blinde Funkamateure schon erheblich förderlich ist.
Ein großes Display zeigt übersichtlich alles an, was man wissen muß, eine digitale Sprachaufzeichnung wurde zusätzlich integriert.

Der Empfänger ist wirklich gut, für ein Gerät dieser Preisklasse bietet der TRX alles, was das Herz begehrt und bietet sich in seiner Kompaktheit auch als Portabelgerät gerade noch an.
Aber auch hier gilt, ohne externe Stromversorgung geht nichts, zudem handelt es sich nur um einen KW-Transceiver ohne UKW.
Aber ein reiner KW-Transceiver wird immer qualitativ etwas besser sein als ein Allband-TRX, der alles können muß, das muß man sich vor Augen halten.
Es ist im Grunde dasselbe wie in der Antennentechnik, eine Mehrbereichsantenne zwingt einen immer zu mehr Kompromiße gegenüber einem Monopol.

Vergessen dürfen wir natürlich nicht die Firma Kenwood, die in der von uns beleuchteten Preisklasse immerhin den zweiten Platz einnimmt (mal vom SDR abgesehen) mit ihren TS-480SAT und TS-480HX.
Diese Geräte sind qualitativ sehr hochwertig und in einer Preissparte bis 1.000,- Euro kaum zu erwarten, aber Kenwood hat das geschafft.
Mit absetzbaren Bedienteil und einer hervorragenden DSP-Einheit, als auch einen sehr hochwertigem Empfänger, ist das Gerät wärmstens zu empfehlen und bedarf einer guten Pflege.
Allerdings sind die Geräte relativ schwer, aber kompakt und recht bedienungsfreundlich.
Für Portabelzwecke würde ich sie allerdings nicht hernehmen, wäre mir persönlich auch zu schade.





Die beiden Modelle unterscheiden sich nur in zwei Dingen, der eine hat 100 Watt und einen eingebauten Antennentuner, der andere 200 Watt nur ohne AT.
Bei der 200 Watt-Version liegt die Stromaufnahme allerdings schon bei guten 40 Ampere, was einer portablen Nutzung eh widerspricht.
Das Display ist ordentlich sortiert, recht groß und übersichtlich, die Bedienung gelingt im Handumdrehen - eben echte Kenwood-Qualität!
Das Bedienteil wird auf eine Art Ständer gesetzt und kann überall mittels Separations-Kit getrennt von der Basis angebracht werden.
Die AT-Variante liegt bei gut 830,- Euro, der "Bolive" mit seinen 200 Watt schon bei 900,-Euro insgesamt, das sind aber beide auch wert.

Leider können wir kaum Geräte der Firma Icom hier anführen, da sie sich aus dem Preissegment verabschiedet hat, als einzigstes Modell hat sich der IC-7200 mit gut 900,- Euro noch einreihen können.
Er ist auch ein reiner KW-Transceiver, der allerdings fast gleichzusetzen ist mit der Qualität von Kenwood, nur fehlt ihm das FM-Modul.
Ansonsten ein sehr schöner, robuster und hochwertiger Transceiver, der keine Wünsche offen läßt und an die alte Icom-Qualität anknüpft.
Normalerweise ist er auch als Outdoor-Gerät vorgesehen, so jedenfalls wurde er gebaut, jedoch ist er meines Erachtens nicht unbedingt mehr Rucksack-Beigepäck.


Somit ziert dieses Gerät wohl eher die Stationstische, ein ebenso ausgewachsener 100 Watt TRX, der, mal abgesehen vom fehlendem FM, alles bietet, was man so braucht.
Und FM ist bei KW nicht unbedingt das Wichtigste, es sei denn, man will die 10 m-FM-Relais bearbeiten.

Wir sehen also anhand dieser Betrachtung, daß selbst in dieser Preislage einige Geräte auch für den Ablauf des Funkverkehrs sorgen können und für jeden Geschmack auch etwas dabei ist.
Man muß nicht Unsummen ausgeben, um am Amateurfunk teilnehmen zu können, es ist eben wie bei jedem anderen Hobby auch, investieren muß man immer!
Ich denke, wir haben einen kleinen Überblick erhalten, ohne großartig auf die technischen Details eingehen zu können, aber im Großen und Ganzen weiß man die Punkte, auf die es dabei ankommt.
Wer nicht gleich in die Vollen gehen möchte und dessen Standort auch keine allzu großen Kompromißantennen zuläßt, der wird sicherlich erstmal mit UKW beginnen (immer besser) und sich dann in das Abenteuer "Kurzwelle" stürzen - und sei es portabel.
Aber man muß eben genau überlegen, ob man gleich ein Gerät für alles, oder eben getrenntes Equipment nimmt.

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