Freitag, 6. Mai 2011

Getarntes Funken

Hier schneide ich Heute ein Thema an, was viele unserer Funkfreunde im Amateur- und CB-Funkbereich beschäftigt, wenn sie zu den 70% der "Antennengeschädigten" gehören, die es immerhin deutschlandweit gibt.
Leider ist die Ignoranz gegenüber diesem Hobby im Laufe der Jahre nicht geringer geworden, im Gegenteil, man steht diesem nahezu noch skeptischer gegenüber als vor 10 oder 20 Jahren !
Das liegt natürlich zum einen an der fast schon anmassenden Aufbereitung des Themas "Antennentechnik" in der Presse bzgl. BEMV-Vorschriften, als auch an dem Wahn, eine Verschandlung der Ansicht durch Antennen zu sehen, obwohl sie durchaus auch Heute noch ihre Daseinsberechtigung haben.
Denn ohne sie würde auch heutzutage ebenso nicht viel gehen, dessen ist sich nur keiner bewußt, da ja Kabelfernsehen aus der Dose kommt !
Natürlich gibt es Internet, was theoretisch auch per Kabel ins Haus kommt, aber was liegt dazwischen, wieviele Funk-Internetnetze gibt es und was ist mit Satelitenübertragungen u.s.w.
Vieles wird Heute auch noch über Funk übertragen, liegt meist sogar dazwischen, bevor es per Kabel ins Haus kommt.
Und so geht es dem Funkamateur, der ja maßgeblich durch seine Tätigkeit und seinem Pioniergeist erst zu einer solch technologisch weit entwickelten Welt beigetragen hat !
Sein Interesse liegt hauptsächlich am Informations-und Kommunikationsaustausch, der schließlich für uns alle wichtig ist.
Notfunk sei in diesem Punkt noch zu erwähnen, da im Katastrophenfall ohne ihn gar nichts geht.
Aber das berichtet die Presse nicht in großer Auflage, leider, so daß natürlich jeder Vermieter einen Funker als nicht notwendiges Übel ansieht und ihn in seinem Tun behindert.

Nun haben sich kluge und gewiefte Köpfe mal Gedanken darüber gemacht, wie ein Funker trotzdem zu einem zwar eingeschränkten, aber wenigstens ausführbaren Funkvergnügen kommt und somit weiterhin seiner Forschung und seinem Pioniergeist nachkommen kann.
Dazu gehört u.a. Thomas Blinn (DL2WB), der mal Mobilfunkantennen als stationär einsetzbare Strahler getestet und betrachtet hat und dabei zu recht erstaunlichen Ergebnissen gekommen ist.
Daher nehme ich seine Studie einfach mal auf und möchte darüber berichten, weil sonst kaum jemand davon Kenntniss erhält, den diese Restriktionen als Mieter auch ins Herz treffen.
Sicherlich kann man nicht erwarten, nun ganz vorne mit dabei sein zu können und bei jedem Pile Up gehört zu werden, aber man kann mit gewissen Einschränkungen recht achtvolle Erfolge erzielen und erfreut sich umso mehr eines solchen, wenn auch unter diesen Bedingungen DX möglich wird.
Ein gewisses Geschick an Diplomatie seitens dem Nachbarn gegenüber, als auch der Verwaltung bzw. dem Vermieter muß natürlich immer Voraussetzung für einen Funkamateur (auch CB-Funker) sein, Verhandlungen,Gespräche und Aufklärung waren seit jeher das beste Mittel, um zu einen guten Konsens zu kommen.

Erstes Vorgehen in diesem Fall ist natürlich die Betrachtung der Lage und der Örtlichkeiten, was für ein Haus und in welcher Lage finden wir es vor?
Wo kann eine Antenne ohne Behinderung des Funkbetriebes, aber auch der Nachbarn, angebracht werden?
Es darf eben zu keiner Beeinträchtigung der Nachbarn kommen, sonst wäre ein Krieg und damit der Verlust jeglicher Chance auf Ausübung des Hobbys schon vorprogrammiert.
Ist diese Frage geklärt, muß ich mir überlegen, was möchte ich überhaupt machen, nur UKW, oder auch KW und dabei sogar Mehrbandbetrieb ?
Ist auch diese Frage geklärt, muß man schauen, welche Möglichkeiten der großen Liste an Antennenformen wäre hier einsetzbar ?
Eine Magnetische Loop mit Fernabstimmung vielleicht ?
Eine sehr teure Angelegenheit, ein großes Strahlenfeld, teilweise gar nicht machbar aufgrund der BEMF-Bestimmungen etc.
Alle anderen, in Frage kommenden Antennenformen haben einen recht geringen Wirkungsgrad, wenn sie nicht auch absolut frei stehen können.
Da kommt einem eine Mobilfunkantenne in den Sinn, anlehnend an die Balkonantennen a la Boomerang aus dem CB-Funk-Bereich, hierzu bedarf es allerdings einer Halterung, die es uns ermöglicht, die Antenne nach Bedarf wieder aus dem Sichtbereich der Anderen entfernen zu können, ohne ständig auf- und abbauen zu müssen.
Dabei können sich nämlich auch ständig gewisse Parameter ändern und wir müssten immer wieder aufs Neue die Antenne abstimmen.
Wichtig ist auch die nahezu erfolgreiche Störungsfreiheit einer Antenne - also kein TVI oder BCI wenn möglich.
Also sollte die Anwendung einer gewissen Leistung mit Bedacht gewählt werden, weshalb der Austausch mit den Nachbarn nicht ganz unbeachtet sein sollte, wie anfangs schon erwähnt.
Dem allen kommen Vertikalstrahler entgegen, sie sind einfach zu handhaben und können womöglich sogar ohne Tuner angepasst werden.
Sie sind auch abnehmbar, ohne das sich gleich Vieles verändert.
Ebenso ist ihr Preis meist angemessen, was uns zu der Betrachtung einiger Modelle führt.


Herauskristallisiert hat sich dabei ein sehr günstiges Modell, nämlich die Outback-1899, sie ist eine Mehrband-Mobilantenne und überstreicht alle gängigen Bändern von 80 m bis 70 cm.
Natürlich bietet sich auch Selbstbau oder Umbau vorhandener Antennen an, allerdings bedarf es dazu einer Menge handwerklichen Geschickes, technischen Know Hows und einer recht gut ausgerüsteten Werkstatt.
Für Viele von uns kommt das wohl in diesem Fall nicht in Frage, so daß eine Antenne für annähernd 50,- E auf jeden Fall eine gute Möglichkeit wäre.
In Betracht zu ziehen als Halterung wäre eine Lösung, die der von mir erwähnte Thomas Blinn schon gewählt hatte (siehe Bilder), er nahm eine einklappbare Variante, auf der die Antenne umlegbar war und komplett an die Balkonbrüstung oder Wand herangeführt werden konnte.
Zur Befestigung der verwendeten Outback-1899 an der Balkonbrüstung dient eine selbstgebaute Klappvorrichtung aus Edelstahl inklusive PL-Schraubfuß zur Aufnahme des Strahlers.
Die Halterung läßt die Aufrichtung des Strahlers bis zu einem Winkel von 45° wärend des Funkbetriebes zu.
Das Scharnier ist mit nur einer Schraube fixiert, so daß bei Funkruhe nach Lösen dieser die Antenne abgeknickt werden kann.
Damit ist sie aus dem Blickwinkel anderer Betrachter halbwegs verschwunden.
Für die mechanische Entlastung des Strahlers in der Parkposition sorgt eine Auflage auf Höhe der Strahlerspitze.
Der Bandwechsel wird bekanntlich bei der Antenne über eine sogenannte Wanderleitung an deren Verlängerungsspule vorgenommen, der Abgleich des SWR erfolgt an der Teleskopspitze.



Wie allerdings bei fast allen vertikalen Antennen benötigt auch diese Mobilantenne ein Gegengewicht, das könnte u.U. die Stahlbetonbrüstung mit Blechabdeckung, das metallische Balkongeländer oder mehrere Drahtradiale sein.
Hier muß evtl. etwas getrickst werden, auf jeden Fall eine Verbindung zu großen Metallflächen schaffen, soweit es geht.
Eine Mantelwellensperre am Fußpunkt der Antenne wäre logischerweise zu empfehlen, um das schon angesprochene TVI und BCI zu beseitigen.
Man nehme einfach 20 Windungen des Koaxialkabel und wickle sie auf eine 8 - 10 cm dicke Pappröhre oder Plastikrohr auf.

Natürlich können wir von einer solchen Konstruktion auf 80 und 40 m keine Wunder erwarten, die Anpassung funktioniert, aber der Wirkungsgrad dürfte recht bescheiden sein, jedoch haben wir auf den klassischen DX-Bändern 10,15 und 20 m incl. WARC 12 und 17 m gute Chancen, einige sehr erfolgreiche Kontakte herstellen zu können.
UKW haben wir auch gleich mit an Bord, so daß dafür eine zweite Antenne entfällt.
DL2WB hat in seinem Fazit jedenfalls in den ersten 2 Monaten des Aufbaus schon 5 Kontinente gearbeitet und 600 QSOs führen können, was in Anbetracht dieser Kompromißlösung sehr beachtlch ist.
Ich weise in diesem Zusammenhang nochmal auf meinen Artikel über die MP-1 hin, auch sie würde hier eine recht gute Alternative darstellen.

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